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24. Juni 2022 | Illustration & Kunst

Zum Abschluss des Pride Month

Zum Abschluss des Pride Month zeige ich dieses ganz besonders persönliche Aquarell.
Zum Abschluss des Pride Month zeige ich dieses ganz besonders persönliche Aquarell.
Die blaue Perle symbolisiert meinen Wesenskern, der immer stärker nach Außen strahlt. Durch das Strahlen wird das Falsche nicht nur verdrängt, sondern es wird auch ein Schutz davor gebildet.
Die blaue Perle symbolisiert meinen Wesenskern, der immer stärker nach Außen strahlt. Durch das Strahlen wird das Falsche nicht nur verdrängt, sondern es wird auch ein Schutz davor gebildet.

Dieses persönliche Werk bildet meinen Abschluss des Pride Month. Es trägt den Titel „Wahres Selbst“. Das Bild hat ein quadratisches Format und ist mit Aquarellfarben und Gouache entstanden.

Im laufe meiner Entwicklung, seitdem ich die Befürchtung hatte, trans zu sein (ja, zu Beginn war es eine bedrohliche Erkenntnis), habe ich einsehen müssen, dass ich jahrelang in einem falschen Selbst gelebt habe.

Tief in mir wusste ich das schon lange. Nicht umsonst habe ich mir immer die Frage gestellt „Wer bin ich?!“, ohne je eine Antwort darauf finden zu können. Obwohl ich so sehr danach gesucht habe. In so viele Richtungen habe ich geblickt, so vieles ausprobiert.

Irgendwann bin ich zur persönlichen Entwicklung, Achtsamkeit und Meditation gekommen. Beim meditieren habe ich gelernt, dass ich „Bewusstsein“ bin. Okay. Verstanden. Obgleich das eine befreiende Erfahrung war, hat es mich nicht befriedigt. Es war die Antwort auf eine andere Frage, die ich mir vielleicht später gestellt hätte.

Meine Fragen zu diesem Zeitpunkt aber waren: Was ist mein Ego? Wer bin ich in meinem Ego? Als was für eine Person möchte ich auf diesem Planeten wandeln?

Was für die meisten Menschen völlig klar ist, war für mich eine Jahre andauernde Reise, in der ich immer der Überzeugung war, andere wüssten besser über das Leben bescheid als ich. Ja, ich glaubte sogar, jeder wüsste besser als ich, was gut für mich ist.

So habe ich lange danach gelebt, was ich geglaubt habe, was andere von mir erwarten könnten. Ausgesehen, wie ich geglaubt habe, das andere mich sehen wollten. Wie andere mich lieben konnten.

Ich bin noch immer dabei, dies abzulegen. Wahrscheinlich hört das nie ganz auf. Es ist ein natürliches, menschliches Bedürfnis, geliebt werden zu wollen.

Sich dem aber bewusst zu sein und immer wieder hinterfragen zu können: „Moment, will ich das jetzt wirklich oder passe ich mich nur wieder an?“

Bei diesem Prozess hat mir die Erkenntnis, trans zu sein, sehr geholfen. Auf die Frage „Wer bin ich?“ kann ich jetzt klar antworten. Das Gefühl von Leere in mir ist jetzt erfüllt von meinem Ich. Ich habe wieder Kontakt zu meinem wahren Wesenskern und lerne diesen endlich wirklich kennen.

Diesen wahren Wesenskern habe ich in diesem Aquarell visualisiert. In Rollenklischees gedacht, habe ich diesen in blauer Farbe für meine männliche Geschlechtsidentität koloriert. Auch die Farbe Rosa kommt weiterhin in diesem Bild vor, sie wird und soll nie verschwinden, genauso wie ich nicht jegliche feminine Seite von mir auslöschen will. Sie ist Teil von mir und wird es immer sein.

Aber sie wird weniger. Sie wird überstrahlt. Es wird sichtbarer, was schon immer tief in meinem Inneren den viel größeren Anteil ausgemacht hat: Meine maskuline Seite.